TS19: Globale Mindeststandards

TS19: Globale Mindeststandards

 

Unser Themenschwerpunkt 2019:

„Globale Mindeststandards“

 

Eine gemeinsame wissenschaftliche Fachtagung am 29. März 2019 im Weltethos-Institut in Tübingen

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Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Institut für Sozialstrategie mit dem Thema Globale Zivilgesellschaft rund um die Bereiche Bildung, Gesundheit, Religionen, Minderheiten, Wirtschaftsethik und Klimawandel. In Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover und dem Weltethos-Institut Tübingen haben bereits mehrere einschlägige Tagungen stattgefunden. Im Rahmen der wissenschaftlichen Fachtagung, die am 29. März 2019 im Weltethos-Institut in Tübingen stattfinden wird, geht es speziell um Globale Mindeststandards. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden der Frage nachgehen, ob in einer zunehmend multipolaren Welt die Ausformulierung und Durchsetzung ethischer Mindeststandards beispielsweise in den Bereichen Handel, Arbeitssicherheit, Gesundheitsversorgung, öffentliche Ordnung und Einhaltung von Menschenrechten überhaupt möglich ist oder immer Utopie bleiben muss.

Digitalisierung spielt hierbei eine besondere Rolle, denn sie steht mit ihren gigantischen Möglichkeiten der Kommunikation auch über große Distanzen hinweg für ein Zusammenwachsen der globalen Menschheit. Andererseits wird sie zunehmend zum Spielfeld der Kontrollbedürfnisse demokratischer und nicht so demokratischer Staaten sowie von global agierenden Unternehmen. Inwieweit lassen sich also die Grundelemente ethischer Mindeststandards im Wirtschaftsleben, die sich durch ein zu definierendes Mindestmaß an Vertrauen, transparenter Kommunikation, Strategie und optimaler Wertschöpfung auszeichnen, überhaupt konkretisieren und implementieren?

 

Hier finden Sie das vollständige Tagungsprogramm.

 

Anlässlich des 10. Jahresjubiläums des ifs gibt es am Vortag der Tagung, am 28. März 2019, einen kleinen Festakt, auf dem Herr Manemann über „Weltweite Solidarität als Leitprinzip einer globalen Zivilgesellschaft – 10 Jahre ifs“ reden wird.

 

Zur Begrüßung und Einführung am 29. März werden Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel und Dr. Christopher Gohl sprechen, Vorträge halten:

  • Prof. Dr. Claus Dierksmeier: Wer darf über globale Mindeststandards entscheiden? Die Debatte zwischen Martha Nussbaum und Amartya Sen.
  • Dr. Jürgen Volkert: Globale Mindeststandards: ökonomische vs. ethische Positionen?
  • Dr. Ana Honnacker: „Think globally, act locally“? Zur Herausforderung einer globalen Umweltethik
  • Prof. Dr. Federico Foders: Globale Mindeststandards angesichts des Klimawandels (vorläufiger Titel)

Abschließend findet eine Podiumsdiskussion mit Herrn Foders, Herrn Hemel, Frau Honnacker, Herrn Manemann und Herrn Volkert unter der Moderation von Bernd Villhauer statt.

 

Richard Schallerl setzte sich vorbereitend mit international verschiedenen ‚Globale Mindeststandards‘ auseinander, welches in einem Literaturbericht zusammengefasst nachzulesen ist.

 

Tagungsbeiträge

  1. Begrüßung zur Fachtagung durch Dr. Christopher Gohl

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

auch von meiner Seite herzlich willkommen am Weltethos-Institut!

Die heutige Konferenz markiert nicht nur das 10jährige Bestehen des Instituts für Sozialstrategie, mit dem das Weltethos-Institut im Jahr 2013 seine erste eigene Konferenz zur Anthropologie der Wirtschaft ausgerichtet hat. Sondern sie markiert auch die Agenda, die Ulrich Hemel, seit Mitte letzten Jahres Direktor des IfS UND des Direktors des Weltethos-Instituts, in die Agenda des Weltethos-Projektes nach Tübingen einbringt.

Und zwar, so finde ich, auf eine höchst organische und weiterführende Art und Weise, die an die Anliegen von Hans Küng und Claus Dierksmeier, den zwei bisherigen, wesentlichen geistigen Kapitalstiftern im Orte Ur des Weltethos-Projektes, in Tübingen, anknüpft. Ich möchte in den nächsten 10, 12 Minuten diese Konfluenz der Agenden im Hinblick auf globale – ethische – Mindeststandards beschreiben.

Hans Küng hat 1990, nächstes Jahr vor 30 Jahren, sein Buch „Projekt Weltethos“ vorgelegt. Er beschreibt darin eine Welt, die am Ende eines Jahrhunderts voll todbringender Ideologien, Kriege, Völkermorde und Ressourcenverbrauch vor einer Krise der Orientierung steht: Welche Werte und Normen sollen künftig für menschliches Zusammenleben – gar: „Überleben“ – gelten? Diese Krise ist für Küng aber auch eine Chance, aus den Fehlern zu lernen und sich auf einen gemeinsamen elementaren Kern von Wertvorstellungen zu besinnen, die in allen religiösen – und philosophischen –Traditionen anschlussfähig sind. 1990 vermutet Hans Küng mit Verweis auf seine interreligiösen Erfahrungen diesen elementaren Kern in der Wertschätzung des „Humanum“, des gemeinsamen, so verletzlichen wie würdevollen Menschseins. Auf diesen – eigentlich schon gegenwärtig gemeinsamen – Grund könnten sich Menschen aus aller Welt möglicherweise einigen und die gemeinsame Welt darauf aufbauen, so schlägt Küng vor. Und fügt hinzu: Wenn sie denn dabei Dialogfähigkeit beweisen. Er beschreibt sie als Verknüpfung von Standpunktfähigkeit und Lernbereitschaft und erkennt darin „Friedensfähigkeit“.

1990 ist noch nicht explizit die Rede von konkret zustimmungsfähigen Prinzipen und Werten, die dieses Humanum stützen, schützen und verwirklichen sollen: So das Prinzip Menschlichkeit, das Prinzip der Reziprozität in der Goldenen Regel, und die Werte – verstanden als Weisungen oder Strebungen – der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit, der Gewaltlosigkeit und der Partnerschaft der Geschlechter. Diese Prinzipien und Werte sind nach einem Vorschlag Küngs erst seit 1993 durch mehrere Erklärungen empirisch relevant, affirmiert und legitimiert worden – vom Weltparlament der Religionen aus religiöser, vom Interaction Council früherer Staatschefs aus säkularer und von einer Initiative bei den Vereinten Nationen dieses Jahr vor zehn Jahren aus wirtschaftlicher Sicht.

Dieser Kanon der zwei Prinzipien und vier – seit 2018 sogar fünf, ich komme gleich darauf – Werte wird zu oft für die fixe Summe des Weltethos-Projekts gehalten. Sie ist aber nur Teil des geistigen, empirischen und legitimatorischen Kapitals des Projekts und des Anliegens – und erweiterbar nicht nur im Rekurs auf das Anliegen Küngs, gemeinsame, weltweit geltende Werte und Normen für ein Überleben und Leben in Würde zu finden; dazu ja gleich Dierksmeiers Konzeption des Weltethos als Freiheit in weltbürgerlicher Verantwortung und Hemels Konzeption der globalen Zivilgesellschaft. Sondern das Weltethos-Projekt ist auch im Blick auf die Megatrends unserer Zeit stets zu erneuern. So hat das Weltparlament der Religionen im November 2018 dem Küngschen Kanon von 1993 einen fünften Wert, die Strebung nach ökologischer Nachhaltigkeit, hinzugefügt. Nicht nur die, die den den Küngschen Kanon bisher des Anthropozentrismus geziehen haben, werden dieses klare Bekenntnis zur gemeinsamen Sorge in der ökologischen Frage willkommen heißen. Sie ist zugleich Ausdruck der Lern- und Entwicklungsfähigkeit unseres Projektes Weltethos.

Claus Dierksmeier hat als Gründungsdirektor seit 2012 auf ausdrückliche Bitte Hans Küngs zum einen eine philosophische, säkular zugängliche und sozialwissenschaftlich anschlussfähige Begründung des Projektes Weltethos ausgearbeitet. Sein Buch dazu hat er genannt „Qualitative Freiheit. Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“. Darin beschreibt Dierksmeier Weltethos als eine freiwillige Haltung der Verantwortung gegenüber „Mitwelt, Umwelt und Nachwelt“. Wir leben im Zeitalter Globalität, geprägt von gegenseitigen Abhängigkeiten einerseits und einer irreduzibler Vielfalt der Konzeptionen des guten Lebens. Da müsste es doch zustimmungsfähig sein, so Dierksmeier, die Freiheit zur persönlichen Verantwortung zugleich als Grund wie als Grenze, als Gegebenes wie als Aufgegebenes einer friedlichen Weltgesellschaft zu verstehen. Die Freiheit, die er meint, ist die in bewusst gemachten Abhängigkeiten voneinander verantwortlich und fair vollzogene Freiheit.

Dierksmeiers Konzeption der qualitativen Freiheit ist zugleich eine Kritik an (quantitativen, neo-liberalen) Konzeptionen der Freiheit, die Freiheit und Verantwortung in einem Nullsummenspiel für Gegensätze halten und die Freiheit allein in der Unabhängigkeit des Einzelnen von Anderen erträumen.

Mit der Idee der in weltbürgerlicher Verantwortung ausgeübten Freiheit schließt Dierksmeier nicht nur an Küngs eigenes Freiheitsverständnis an. Sondern auch Dierksmeier erklärt den steten Dialog über verschiedene Begriffe und Ausbuchstabierungen verantwortlichen Freiheitsgebrauchs zum Kernanliegen des Weltethos. Denn wer die eigene Freiheit verantwortlich gebrauchen will, muss sich darüber verständigen, welche Konsequenzen der eigene Freiheitsgebrauch für Andere hat; und muss sich dafür interessieren, ob der eigene Freiheitsgebrauch auch den Freiheitsgebrauch der Anderen stützt und schützt – was, wie wir später noch hören will, zur Kernidee des Capability Approaches gehört. Und wer wissen will, was Verantwortung gegenüber anderen heißt, findet in den bewährten menschlichen – weltethischen – Werten der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Partnerschaft und ökologischer Verantwortung eine Orientierung, die im Effekt ein dialogisches Miteinander ermöglicht.

Zum Zweiten hat Claus Dierksmeier Weltethos auf die Wirtschaft angewandt. Sein Programm des Humanistic Management zeigt die vielfältigen Formen auf, mit denen nach innen und nach außen dialogfähige Unternehmen Verantwortung für Küngs Humanum, für ein Leben in Würde ausüben können.

Daran knüpft jetzt auch Ulrich Hemel mit seinen Überlegungen an. Er sieht eine Welt, in der die Globalisierung von Werten und Normen sich in die Entstehung einer globalen, die Wirtschaft umfassenden Zivilgesellschaft einträgt. Programmatisch beschreibt Ulrich Hemel diese Veränderungen als ein umfassendes Lernprogramm, dessen Treiber – und hier knüpft er seinerseits an Küng und Dierksmeier an – die Dialogfähigkeit ist. Also die Verbindung von Standpunktfähigkeit einerseits und Lernbereitschaft andererseits, mit der das „innere Selbst“ der Identität fähig wird, mit Vielfalt umzugehen.

Hierfür schlägt Hemel, einschlägig habilitiert im Bereich der religiösen Pädagogik, das Konzept des „pluralitätsfähigen Identitätslernen“ vor, das unser Verständnis der herkömmlichen Lehre in den Seminaren, aber auch das Selbstverständnis unserer World Citizen School zugleich fokussiert wie erweitert hat. Mir scheint übrigens damit auch ein Brückenschlag möglich zu Francis Fukuyamas kürzlich erschienenen Buch zur „Identität“ in Zeiten von Kulturkämpfen.

Weltethos zum Lernprogramm zu machen, wie Ulrich Hemel es vorschlägt, heißt dann konsequenterweise auch, den Dialog darüber zu suchen, wie die Strebungen weltethisch verantwortlichen Handelns in Handlungsvollzüge weltweit eingetragen werden können; wie sie also standardisiert werden können.

Das ist eine spannende, weil systematisch gar nicht so selbstverständliche Aufgabe. Denn wenn wir Werte verstehen als Strebungen nach dem, was – all things considered – sich als wünschenswert bewährt hat, dann richten sie unseren multifaktoriellen Handlungsvollzug aus, ohne ihn vollständig zu programmieren. Im Vollzug jeder Handlung verbinden sich ja Elemente aus einer Situation – der von uns „behandelten“, zugleich den Kontext bildenden Situation – mit den Instrumenten oder Ressourcen unserer Handlung zu einem zeitlichen Verlauf der Veränderung, wobei sie von einer Handlungsabsicht, einer Intention geprägt wird. Werte prägen dabei auf fundamentale Weise unsere Wahrnehmung, womit und wie eine Situation durch unser Handeln verbessert werden kann; und welche Rolle wir also selbst in der Veränderung der Welt wünschenswerterweise spielen könnten. Werte sind, in anderen Worten, die Brillen oder Nachtsichtgeräte der moralischen Imagination. Wir entdecken mit ihnen jene Potenziale der Verbesserung, die zu bewirken uns wertentsprechendes Handeln Aussicht stellen. Werte sind instrumentell für die Kreativität, die verantwortliches Handeln im Kontext spezifischer Situationen jeweils auszeichnen muss.

Standardisierungen aber abstrahieren vom Kontext; und sie vereinheitlichen Handeln. Die Intention des nicht-standardisierten, nicht habitualisierten, nicht normierten, also: des offenen, des kreativen, des suchenden, des lernenden Handlungsvollzugs gibt es jetzt nicht mehr. Beziehungsweise: diese Intention wird übersetzt in messbare Ziele, denen bestimmte Mittel und Verfahren zugeordnet werden. Standardisierungen setzen, egal in welcher Situation, die Verfügbarkeit bestimmter Elemente und Mittel voraus, und verknüpfen sie methodisch, also in einem klar geregelten Verfahren, mit einem Ziel, einem Output. Die Kreativität des offenen, des suchenden Handelns wird ersetzt durch in sich konsistente, vom Kontext abstrahierende Konsequenz.

Bei Standardisierungen geht es also gerade nicht mehr um Kreavitität, um moralische Imagination in konkreten, in ihrer Spezifizität nie total antizipierbaren Situation, sondern um einen klar durchprogrammierten, stets verlässlich gleichen Handlungsvollzug. Um Handlungsvollzüge als Massenware, sozusagen. Um Rezepte, die egal wo genau so ohne Abweichungen gelten, die also skaliert werden können.

Dieser Tod der Kreativität in der Standardisierung klingt wie der Tod der Individualität, der verantworteten Freiheit und der moralischen Imagination. Aber der Schein trügt. Insofern Standards Vereinheitlichungen sind, sind sie stets auch Vergemeinschaftungen. Ihre praktische Geltung ist auf Zustimmung angewiesen. Wenn eine Dozentin bestimmte Formen wissenschaftlichen Arbeitens zum Standard erklärt, aber dafür ohne Zustimmung dafür bleibt, dann mag sie das ihre gesammelten Anforderungen nennen; aber ohne Zustimmung sind es keine Standards, sondern individuellen Marotten.

Hinter allen technischen Vorstellungen von Mindeststandards in Wertschöpfungs oder Produktionsketten ist dieser Beitrag des Standards zum Gemeinwohl traditioneller Teil des Konzeptes eines Standards – wie man das von der Gemeinwohlausrichtung der Professionen oder der Tugenden kennt, die sich stets über ihren Beitrag zum Gemeinwohl definieren.

Wie nun das Gemeinwohl in den Standard kommt: Das wirft die Frage nach der Entstehung von Standards auf, um die es im heutigen Verlauf sicher auch gehen wird. Genese und Geltung gehören zusammen. Zu klären wäre beispielsweise:

  • Wo gibt es eigentlich schon Mindeststandards, und wie sind sie entstanden?
  • Wer legt eigentlich welche Standards fest – welche Rollen haben Betroffene, Expertinnen und Gerwährleister der Durchsetzung?
  • Muss jeder Standard stets von den Betroffenen neu erfunden werden, oder können wir von andernorts bewährten Standards lernen?
  • Welchen Grad der Offenheit für situative oder kontextuelle Unterschiede brauchen Standards? Sollten wir, wenn es um auf Menschen bezogene Standards geht, nicht immer von offenen Standards sprechen?
  • Sind Mindeststandards eine Form von offenen Standards – also in etwa eine Beschreibung elementarer Zutaten als ein Rezept selbst?

Ich vermute: Mit den Standards ist es wie mit den Gewohnheiten oder den Organisationen. Gute Gewohnheiten und gute Organisationen stärken und befreien uns; schlechte schwächen und binden uns. Gute Standards schaffen ein Fundament der Freiheit, sichern Verlässlichkeit und erleichtern Vertrauen. Gute Standards sind ihrerseits dann Ausdruck verantworteter Freiheit.

Um sie aber zustimmungsfähig zu machen; um die Gemeinwohlorientierung einerseits und die Offenheit für menschliche Spezifika andererseits zu sichern: Darüber brauchen wir, das wird jetzt niemanden mehr überraschen, den Dialog.

Wir führen ihn heute und hier. Herzlich Willkommen dazu!

 

2. Prof. Dr. Claus Dierksmeier: Wer darf über globale Mindeststandards entscheiden? Die Debatte zwischen Martha Nussbaum und Amartya Sen.

Hier finden Sie die den Vortrag begleitende Präsentation.

 

Tagungsbericht

von Oliver Bülchmann

April 2019

 

Abstract [en]:

According to the findings of the UN Refugee Agency, the number of people fleeing war, conflict and persecution has never been as high as in our time. By mid-2018, an incredible 68.8 million people were on the run. An erosion of political and social instruments around the world to alleviate suffering and destruction, triggered above all by wars, abuse of power and social ills, can be observed worldwide. Reason enough to ask again and again the question of how a long-term sustainable idea for the improvement of this finding can look like. One possible way is the idea of conception and realization of „Global Minimum Standards“. The following report summarises the main ideas and discussions of a scientific conference at the “Weltethos-Institut at the University of Tübingen” on this topic. The text points out which impulses can come from the further development of a „Global Civil Society“ on the basis of differentiated moral attitudes and a universal sense of responsibility. Furthermore, the speakers‘ comments on values such as fairness and terms such as „Good Governance“, which should be sought as a normative measure of action, are documented. The issue of „Global Minimum Standards“ targets and metrics will be addressed as well as the challenge of empowering people with „Capability Theory“ to proactively and effectively advocate a humanitarian future at both locally and globally. In addition to a multitude of aspects, it should be mentioned that the opportunities and risks of digitization are reflected in the further development of „Global Civil Society“, as well as the sketching of solutions to the global ecological and social problems. Finally, the main aspects of the panel discussion are summarised and the author’s point of view briefly presented.

Abstract [de]:

Nach Angabe der UN-Flüchtlingshilfe war die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, noch nie so hoch wie in unserer Gegenwart. Mitte 2018 waren sagenhafte 68,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Weltweit ist eine Erosion von politischen und sozialen Instrumenten für die Linderung von Leid und Zerstörung, ausgelöst vor allem durch Kriege, Machtmissbrauch und soziale Missstände, zu beobachten. Grund genug, immer wieder aufs Neue die Frage zu stellen, wie eine langfriste tragbare Idee zur Verbesserung dieses Befundes aussehen kann. Ein möglicher Weg ist die Idee der Konzeptionierung und Realisierung von „Globalen Mindeststandards“. Der folgende Bericht fasst die wesentlichen Gedanken und Diskussionen einer wissenschaftlichen Tagung am Weltethos-Institut an der Universität Tübingen zu diesem Thema zusammen. Der Text stellt heraus, welche Impulse durch die Weiterentwicklung einer „Globalen Zivilgesellschaft“ auf Grundlage von differenzierten moralischen Haltungen und einem universellen Verantwortungsempfinden ausgehen können. Weiterhin werden die Ausführungen der Redner im Hinblick auf Werte wie Fairness und Begriffe wie „Good Governance“, die als normativer Handlungsmaßstab angestrebt werden sollten, dokumentiert. Die Frage nach den Ziel- und Messgrößen für „Globale Mindeststandards“ wird ebenso behandelt wie die Herausforderung, Menschen mit Hilfe der „Capability Theory“ zu befähigen, für eine menschengerechte Zukunft sowohl auf lokaler als auch globaler Ebene aktiv und wirkungsvoll einzutreten. Neben einer Vielzahl von Aspekten sei erwähnt, dass die Chancen und Risiken der Digitalisierung bei der Weiterentwicklung der „Globalen Zivilgesellschaft“ reflektiert werden, wie auch die Skizzierung von Lösungen für die weltweiten ökologischen und sozialen Probleme erfolgt. Abschließend werden die wesentlichen Aspekte der Podiumsdiskussion zusammengefasst und die Sicht des Verfassers kurz wiedergegeben.

 

Den ausführlichen Tagungsbericht finden Sie hier.